Da unser Zug erst kurz nach Mitternacht vom Hauptbahnhof Halle/S. abfährt, beschließen wir, die Zeit mit einem Kinobesuch zu ÜberbrÜcken. Bei „The Sculls“ Üben wir schon einmal die Nachtwache und wecken uns immer gegenseitig. Da bis zur Abfahrt immer noch Zeit ist, nehmen wir noch eine letzte kultivierte Mahlzeit zu uns, bevor wir Mc Donald’s wieder in Richtung Bahnhof verlassen. Dort angekommen stellt Thomas fest, daß er die Zugreservierungen vergessen hat, er sie aber in der dreiviertel Stunde, die ihm noch bleibt von zu Hause holen wird. Paul und ich warten solange in der Bahnhofshalle auf ihn, Thomas erscheint aber doch schon nach 20 Minuten. Auf dem Bahnsteig kann man sich nicht einigen, wer den Klappspaten trägt, was schließlich dazu fÜhrt, daß er in Halle bleibt (wenn ihn jemand auf dem Bahnsteig gefunden haben sollte: mail-at-christianseidel.net…).

Der Nachtzug aus Prag Über DÜsseldorf ist recht voll und wir schleppen unsere 20-Kilo-Rucksäcke durch den schmalen Gang zu unserem Abteil, das seltsamerweise komplett belegt ist. Nachdem wir uns Platz gemacht hatten (gewisse schlafende Individuen mit BierbÜchse in der Hand mußten mÜhsam von Ihrer Fehlplazierung Überzeugt werden), konnten wir noch miterleben, wie der Schaffner alle die zur Schnecke machte, die in seinem reservierungspflichtigen Zug nicht reserviert hatten. Er versäumte es dabei nicht, jedem einzelnen seine Lebensgeschichte zu erzählen, was uns noch eine Weile wach hielt. In DÜsseldorf angekommen haben wir etwas Verspätung, was dazu fÜhrt, daß wir die S-Bahn zum Flughafen verpassen. Aber die kommt ja aller zehn Minuten – zumindest Werktags und heute ist Sonntag! ZurÜck zum Plan und… puhhh – in 30 Minuten fährt doch noch eine. Im Flughafen DÜsseldorf mÜssen wir zum Terminal E und stellen fest, daß es von der Ankunftshalle einen Zubringerbus zum Terminal gibt. Der läßt sich Zeit und wir kommen eine Stunde vor Abflug zur Abfertigung. Das Gepäck erfÜllt gerade so das Limit von 20 Kilogramm pro Person und wir passieren geschafft, aber erleichtert die Paßkontrolle.

Via Bulgarian Airways fliegt bevorzugt mit der Tupolev 154 (Baujahr 1991, 157 Sitzplätze), wir ab sofort nicht mehr. Bei dieser Beinfreiheit spielt es auch keine Rolle, ob man im Smart hinten sitzt. Man kann zwar die Vordersitze nach vorn klappen, das hat aber irgendwie meinen Vordermann gestört. DafÜr ist in der bulgarischen Luftwaffe die Gleichberechtigung eingefÜhrt wurden, im Klartext: zwei Stewardessen (mindestens 80 Jahre alt) und ebenso viele Stewards in modischer Sommerbekleidung aus der Schnäppchen-Ausgabe des Klingel-Katalogs versuchen jetzt kostenpflichtig Fluggäste mit Alkohol und Zigaretten abzufÜllen.

Nach einer etwas unruhigen Landung in Varna stellen wir die Uhr eine Stunde vor und erfahren, daß es auf den Flughafentoiletten rosa Klopapier gibt. Vor dem Flughafengebäude werden wir gleich von einem Taxifahrer bestÜrmt, ob wir nicht mit seinem Taxi bis zum Bahnhof fahren wollen – fÜr preiswerte 20,- DM. Aus irgendeinem Grund entscheiden wir uns aber dann doch fÜr den ÜberfÜllten Bus (2,- DM), der uns aber nur ins Zentrum bringt.

Die bulgarischen Landsleute sind sehr freundlich und sprechen uns auf dem Weg zum Bahnhof immer wieder an, ob wir nicht zu viel deutsches Geld haben („Change, Change. Gut Kurs. No Commission!) oder ein Taxi bräuchten (ca. 20.000 Mal). Nur den Weg zum Bahnhof kann uns erst der dritte „Devisenwechsler“ erklären.

Die dortige Information klärt uns darÜber auf, daß wir fÜr ZÜge ins Ausland das Internationale ReisebÜro aufsuchen mÜssen. Im zweiten Anlauf finden Thomas und Paul es dann endlich in irgend einer Nebenstraße, ich passe solange auf unser 60-Kilo-Marschgepäck im Bahnhof auf. Als die beiden nach 45 Minuten wiederkommen, haben sie das GefÜhl, sie hätten gerade die bulgarische StaatsbÜrgerschaft beantragt, so viele Zettel hätte die Angestellte ausgefÜllt (das Wort Computer ist wahrscheinlich im Bulgarischen mit Schreibmaschine Übersetzt…).

200-08-13_ticket_varna-bukarest200-08-13_ticket_varna-bukarest2

Unser Zug nach Bukarest (von Istanbul nach Moskau) hat Schlafwagen, in welchen wir ein Abteil fÜr ca. 40,- DM pro Person unser eigen nennen können. Bis zur Abfahrt um 21:10 Uhr begeben wir uns mit dem ganzen Gepäck an den Strand und lassen die Seele baumeln. Zum Abendbrot gibt es selbst importierte Eierkuchen und wir begeben uns zum Bahnsteig. Dort stehen historische russische UngetÜme, in deren Inneren es vor lauter Hitze nicht auszuhalten ist. Die Fenster lassen sich nicht öffnen, die russische Zugbegleiterin erklärt uns, daß die „Klimaanlage“ erst während der Fahrt einsetzt – Zugluft eben. Dann verteilt sie Bettwäsche mit KÜhleffekt (faustgroße Löcher, staubige, poröse Laken) und weißt uns darauf hin, daß die Toilette jetzt nicht mehr abgeschlossen sei. Beim Zähneputzen stellen wir fest, daß es kein Wasser gibt – nur gut, daß wir uns vor der Abfahrt mit Mineralwasser eingedeckt haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.