Grundausbildung: StUffz D.

Etwas verunsichert stehe ich auf dem Bahnsteig des Hauptbahnhofs und warte auf meinen Zug nach Bad Frankenhausen. In meinem Einberufungsbescheid steht, dass ich mich in der dortigen Kaserne einzufinden habe. 4./381- Panzergrenadierbataillon. Hörte sich spannend an, aber eigentlich hatte ich bei der Musterung ja angegeben, dass ich was mit Computern machen wollte, notfalls Fahrer. Aber erstmal abwarten. Also laufe ich den Bahnsteig entlang und mustere die Wartenden – könnte das ein Leidensgenosse sein? *flatsch!* Was war das? Hatte mir doch glatt eine Taube auf die Schulter geschi… – das fing ja gut an.

In “Bad F.” (so nennt man das dort militärisch knapp) werden zunächst die Personalien festgestellt und nach dem Mittag werden wir ausgerÜstet und – Überraschung – auf LKWs verfrachtet, die uns – zweite Überraschung – zu unserem neuen StÜtzpunkt bringen. Hat man uns doch glatt unterschlagen, dass wir nicht in Bad F. bleiben, weil unser Kompaniegebäude renoviert wird. Stattdessen finden wir uns nach 15 Minuten Fahrt durch den Wald (nur Wald!) in Dietersdorf wieder.

Der TruppenstÜtzpunkt Dietersdorf ist im Grunde nur ein Neubaublock mit Zaun drumrum, umgeben von Wald, sieben Kilometer bis zum nächsten Dorf. Super, da war die Stimmung schon wieder auf dem Tiefpunkt. Bei der Zimmerzuteilung werden wir nach Raucher/Nichtraucher befragt, dann bekommt jeder die Bettwäsche und sucht seine “Stube”. Vor mir der Kollege gab an, Raucher zu sein, aber wollte auf eine Nichtraucherstube, weil er frische Luft bräuchte. Komische Leute gibts.

Ein paar Minuten später finde ich mich in einer Zehnmannstube wieder: 2 Dreistockbetten (!), 2 Doppelstockbetten. Der rauchende Nichtraucher ist auch dabei. Ich bekomme einen Schlafplatz ganz oben im Dreierbett. Die unzähligen Male, die ich mich frÜh beim Aufwachen an der Decke gestoßen habe, habe ich nicht gezählt. Damals war mir auch noch nicht klar, dass man jeden Morgen sein Bett penibel genau machen muss. Aber man lernt nie aus.

In den folgenden Tagen und Wochen lernten wir dann, wie man seine AusrÜstung im Schrank verstaut, wie man zu maschieren/anzutreten hat, wie man eine Waffe behandelt und seine Vorgesetzten grÜßt und all das andere wichtige Zeugs. Politischer Unterricht und Geschichte der Bundeswehr inbegriffen.

Vom Personal hinterließen die Offiziere und ZugfÜhrer noch den besten Eindruck. Unbeliebt machten sich vor allem die Unteroffiziere, die uns drillen sollten. Allen voran ein Stabsunteroffizier… nennen wir ihn mal “StUffz D“. Dieser Zeitgenosse stand ständig unter Starkstrom und verstand aber Überhaupt keinen Spaß. Andere Vorgesetzte hat man wenigstens nach Dienstschluss mal lachen sehen, anders StUffz D. Bei ihm war uns schon von Anfang an klar, dass er uns das Leben noch schwer machen wÜrde.

Ganz besonders hatte er all jene auf dem Kieker, die auch nur ansatzweise Unmut gegen seine meist sinnlosen Schikanen zeigten. Dumm fÜr mich, dass ich bei offensichtlicher Idiotie nicht stillhalten kann.

Anekdote:

Wir hatten gerade die Dienstgrade auswendig zu lernen, als D. unsere Stube betrat. Kurz vorher hatte ich mal wieder seinen Unmut erregt, weshalb weiß ich nicht mehr. Jedenfalls stehen wir alle vor unseren Spinden in “Achtung”, D. steuert zielstrebig in meine Richtung und geht dann aber im letzten Moment auf meinen Nachbarn zu. Dieser muss bei der Schulterklappe, die ihm D. hinhält, passen. 10 Leute im Zimmer, aber wer darf als nächstes? Ich fange leicht zu grinsen an, als er sich mir zuwendet.

D.: Warum freuen Sie sich denn so?

Ich: Weil ich mir schon gedacht habe, dass sie jetzt zu mir kommen.

D.: Wieso denn das?

Ich: Na weil… ich neben ihm stehe (und deute auf den zuvor befragten Kameraden). *puhhh*

D. (sichtlich enttäuscht): Aha.

Den Dienstgrad wusste ich zwar auch nicht, aber den wusste an dem Abend wohl noch keiner bei uns im Zug. Wenigstens bin ich glimpflich aus der Sache rausgekommen – im Gegensatz zu meinem späteren Zimmerkumpel Jens, der in der Nachbarstube von D. angeschrien wurde, nachdem er total verschÜchtert ein “Sir” an seine Anwort gesetzt hatte.

Monate später habe ich von Kameraden erfahren, dass StUffz D. von den Rekruten nach uns alle vier Reifen zerstochen wurden…

6 Antworten auf “Grundausbildung: StUffz D.”


  • Hey, in Bad F. war ich auch. In der 6./381
    Wann genau warst du denn dort?

  • Sept. 1997 – Okt. 1997. Die schönste Zeit meines Lebens…
    Moment, nee! Das war mein Studium! LOL

  • Das ist ja echt cool – habe gerade durch Zufall deinen Bericht über deine BW-Zeit in Bad F gefunden. Ich war von 11/96 bis 8/97 auch in der 4./381, III. Zug. Und dort hatten wir auch den “StUffz D.” in unserer Reihe. Ja das war ein ganz toller, und auch ich konnte nicht mit seiner Art umgehen, weshalb ich des öfteren Wache machen durfte. Zerstochen wurden seine Reifen übrigens nicht, nur die Ventile verschwanden auf wundersame Weise…;-)

    Warst Du auch mit in Shilo?

  • Ich war “leider” nur für die Zeit der Grundausbildung in “D-Dorf”, kurz nach uns haben sie wohl den Standort endgültig dicht gemacht. Kanada durfte ich leider nicht miterleben, aber Weißenfels ist auch ganz schön… ;-)

  • Klaus Gieseler HFw d.R.

    Ich war in der Zeit von Okt.85 bis März 2003 in der Kaserne habe also Dietersdorf erlebt.Bis Okt.96 war ich in der 4./381 danach zwei Jahre in der 1./ als Betriebsfeldwebel AGSM und von Jan. 99 bis 2003 in der 2./.Bin aber 97 mit nach Kanada geflogen, als Gruppenführer in der 4./ HFw Heinzel war Zugführer. Aber an den StUffz D. kann ich mich garnicht mehr erinnern. Wenns möglich ist könnt ihr mir den Namen ja mal zu kommen lassen. Bin auch heutzutage noch mittwochs in der Kaserne.

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