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Postkommunismus & McDonald’s

An diesem Morgen brauchen wir wieder zwei Stunden, bis wir abmarschbereit sind. Wenn ich mich recht erinnere, sind wir nie vor 10:00 Uhr aufgebrochen.

Auf dem RÜckweg zum Bahnhof Zarnesti und anschließend im Zug hängt Thomas ganz schön durch. Auf dem Bahnhof machen wir noch ein paar bettelnde Kinder mit SÜßigkeiten und einem Ein-Mark-Schein (wohl ein Monatsgehalt dort) glÜcklich. Schon wieder eine gute Tat… – in den Bergen verliert man irgendwie den Bedarf an Materiellem.

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Um 12:00 Uhr fährt endlich unser Zug nach Brasov ab. Hier kann man noch fÜr 1,- DM eine dreiviertel Stunde Zug fahren. Wichtig ist dabei, sich auf die Schattenseite des Zuges zu setzen… Trotzdem wird alles auf gemacht, was auf zu machen geht (inklusive TÜren).

In Brasov haben wir zwei Stunden Aufenthalt und verlassen den Bahnhof kurz, um uns Weintrauben zu besorgen. Die Suche nach einer Post geben wir schnell wieder auf. Der Drang in die schattige Bahnhofshalle zurÜckzukehren ist stärker. Kann auch daran gelegen haben, dass der Gestank aus den MÜllcontainern, die am Rande des Marktplatzes in der Sonne schmorten zu widerwärtig war. Überhaupt sehen die Straßen und Häuser hier nicht sehr einladend aus: alles heruntergekommen und dreckig. WÜrde man in Deutschland keinem Sozialhilfe-Empfänger zumuten…

In Bukarest sieht es wenigstens rund um den Bahnhof nicht ganz so schlimm aus. Wobei – wenn man weiter in die Stadt läuft (was wir aber um 21:00 Uhr nicht noch einmal vorhatten) bekommt man den Eindruck, in manchen Straßen mehr streuende Hunde, als Menschen zu sehen. Wie die Fußwege aussehen kann man sich denken.
Hin und wieder hebt man den Kopf und wirft einen Blick in eine der Seitenstraßen im Zentrum, die man Überqueren will. Aber Autos kommen selten aus ihnen. Vielmehr stehen in diesen löchrigen, zumeist Pflasterstraßen geplÜnderte Wracks herum. Nein – brennende Autoreifen und Steine werfende Jugendliche haben wir nicht gesehen. Auch keine nackten Straßenkinder.

Die wenigen Bettelnden, die sich noch vor den Bahnhof trauen, werden nie aufdringlich. Anders dagegen unsere „Devisen-Freunde“. Die verfolgen uns förmlich. Mit unseren riesigen Rucksäcken sind wir auch im BahnhofsgewÜhl ein gutes Ziel.

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Gegen „Wegelagerei“ im Nordbahnhof versucht man vorzugehen, indem man sich am Eingang die Fahrkarten zeigen läßt. Wer keine hat, muss sich eine Eintrittskarte fÜr umgerechnet 0,20 DM kaufen (kann aber keinen Devisenhändler vertreiben). Außerdem wimmelt es da nur so vor Polizei. Broker in Rumänien zu sein, ist stressiger, als an der Wall Street.

Da wir noch drei Stunden Zeit haben, bis unser Zug nach Varna geht, testen wir mal McDonalds. Es ist eigentlich kein Unterschied zum Heimischen festzustellen – außer: in den Toiletten gibt es nur Waschbecken. Bleibt uns also nichts anderes Übrig, als die Bahnhofstoilette aufzusuchen. Nachdem wir gelöhnt haben, geht es eine Treppe hinab und Sauna-Atmosphäre macht sich breit. Was die Luftfeuchtigkeit und Themperatur betrifft – nicht die Sauberkeit.
Links ein Gang, rechts ein Gang – keine Beschilderung. Wir entscheiden uns fÜr den rechten. Ich mach es kurz: ToilettentÜren, die sich nicht abschließen lassen, ein Loch im Boden mit zwei Steinen zum Draufstellen – und der Geruch… Dazu tropft es in meiner Nachbarkabine noch von der Decke – hab ich mir sagen lassen…

Nach dem dritten Nachfragen und zwei Stunden Aufenthalt eröffnet uns die Dame am Schalter, dass es doch keinen Zug nach Varna mehr gibt, der durchfährt. Wir mÜßten wohl ca. drei Stunden Aufenthalt ab 3:00 Uhr frÜh einplanen. Auf den Frust nehmen wir noch einmal ein McDonald’s-MenÜ zu uns. Unser Zug fährt um 0:00 Uhr los.

ZURÜCK ZUM ANFANG

Als ich am Morgen aus dem Zelt komme, merke ich deutlich die Nachwirkungen des letzten Tages. Ein Grund mehr, sich erst einmal in die Sonne zu legen.

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Der RÜckmarsch ins Tal zur Cabana erfolgt fast im Laufschritt. Während wir fÜr „hinauf“ noch vier Sunden brauchten, sind wir jetzt in weniger als der Hälfte der Zeit wieder unten. Nach einer Pause am Bach geht es weiter bis zur Cabana, an der wir erst einmal eine 2-Liter-Fanta leeren.

Auf einer staubigen Schotterstraße setzen wir unseren Weg zu unserem Ausgangspunkt Zarnesti fort. Nach ungefähr 6-7km hält ein Jeep an und nimmt uns die restlichen Kilometer bis in die Stadt (?) mit.

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Am Kiosk schließt sich bei Eis und Cola der Kreis. Nach diesen Freuden der Zivilisation laufen wir wie am ersten Tag in Zarnesti wieder am Bach entlang Richtung Wald, wo wir uns dann auf einer Wiese niederlassen und unser Zelt aufbauen.
Nachdem wir unsere Tomatensuppe mit Weißbrot verdrÜckt haben geht es 22:00 Uhr in die Federn. Um 3:30 Uhr werde ich wach, als Thomas aus dem Zelt rennt, um sich zu Übergeben. So bin ich wenigstens der Erste, der ihm zum Geburtstag gratuliert 😉
5:00 Uhr habe ich schon wieder Gelegenheit dazu 🙁

DIE ANFAHRT: TEIL 2

Gegen 2:00 Uhr werden wir durch ein Pochen an der TÜr aus dem Schlaf gerissen. Wir sind am GrenzÜbergang Ruse und ein bulgarischer Grenzer drÜckt uns Stempel in den Reisepaß, nachdem er unsere Personalien per Funk weitergeleitet hat. Insgesamt mÜssen wir ungefähr 4 Stunden an der Grenze verbracht haben. Auf rumänischer Seite hält der Zug in einem heruntergekommenen Bahnhof und die hiesigen Grenzbeamten betreten den Zug. An unserem Abteil angekommen, stellt einer freudig fest, daß wir ein Visum brauchen.

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Die Quittung des teuren VergnÜgens: Einreise Rumänien…

Er kann erstaunlicherweise Englisch und teilt uns mit, daß dieses $33 koste. Auf unsere Frage ob fÜr alle folgt ein breites Grinsen und die Antwort: „No, for each!“ – und zahlbar in Landeswährung, die man ja bekanntlich nicht einfÜhren darf, oder in Dollar. Also mÜssen wir tauschen. Aber wo? Er bewundert noch schnell unsere Kampfstiefel („Luftwaffe? Gut!“) und fÜhrt mich dann zum Zugfenster und meint, ich solle Über die Gleise, an den Hunden vorbei, zum Zollgebäude, dann die dunkle Gasse entlang, bis zu dem eingefallenen Neubau und da mÜsse dann irgendwo ein Hotel sein, das um 4:30 Uhr in der Nacht DM in Lei wechselt.
So weit kommt es allerdings nicht, denn als ich das Zollgebäude erreicht habe, kommt mir eine Frau mit Taschenrechner entgegen, die ein paar Worte aus der Ferne mit dem Zollbeamten wechselt und mir dann fÜr 3 lausige Stempel 213,- DM abnimmt (12,- DM Kommission!!).ZurÜck im Zug nimmt mir der Grenzer unsere wertvollen Pässe gleich wieder ab, um sie uns nach endlosen 30 Minuten wiederzubringen. Wir sind also in Rumänien und ein Drittel unserer liquiden Bestände ist bereits verbraucht.

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Die kostenlosen bulgarischen Stempel

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… und die teueren rumänischen

Als unser Zug gegen 8.30 Uhr in Bukarest eintrifft, haben wir zwei Stunden Verspätung, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da wir immer noch drei Stunden Aufenthalt haben. Diese Zeit nutzen wir zu einem Rundgang durch die Straßen von „Bucuresti“, bevor wir uns im Park vor dem Bahnhof auf einer Bank niederlassen. Nach einer Weile nähern sich uns drei Zigeunerfrauen, die uns unbedingt einen Ring verkaufen wollen. Als sie nach fÜnf Minuten fast gescheitert sind, bemerkt Paul, daß sich eine von ihnen an meiner Rucksackaußentasche zu schaffen macht. Wir geben ihnen zu verstehen, daß ich meine Badehose noch bräuchte und jagen sie davon. Sie lassen sich in respektvoller Umgebung nieder und beobachten uns weiter argwöhnisch. Im Expreßzug nach Brasov (Kronstadt) sitzen wir mit einer Familie aus Sibiu (Hermannstadt) in einem Abteil, mit der wir uns drei Stunden angeregt unterhalten und am Ende feststellen, daß wir kaum etwas verstanden, aber unsere Adressen ausgetauscht haben. Mit einem stark wartungsbedÜrftigen Doppelstockzug kommen wir ca. 17:00 Uhr in Zarnesti an und beschließen den dahinterliegenden Berg heute noch zu besteigen. Während unseres Marsches durch das Dorf genehmigen wir uns noch ein Eis und verlassen dann Zarnesti auf einer Schotterstraße, dem Tal entlang, bis zu einem Steinkreuz, hinter dem der Aufstieg durch den Wald beginnt. Nach zwei Stunden anstrengender Steigung durch den Wald, kommen wir auf eine Lichtung (1300 m), auf der wir spontan unser Zelt aufschlagen.

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der erste Karpatenabend…

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…und der darauffolgende Morgen

Ein Feuer ist schnell entfacht und beim Anblick der vom Mond angestrahlten Bergkette, die uns umgibt, schmecken die Bratnudeln gleich doppelt so gut.