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Das Taschenmesser

Ich war wohl etwa 10 bis 12 Jahre alt und bei meinen Großeltern zu Besuch. Mein Großvater schenkte mir damals ein silbernes Taschenmesser, ein echtes SchmuckstÜck. Anschließend machte die ganze Familie einen Spaziergang, traditionell zum Fluss runter, ans Wehr. Ich steh also schnitzenderweise (wie es sich fÜr einen Jungen gehört) auf der BrÜcke und entscheide mich, den Stock ins Wasser zu werfen, was ich letztenendes auch tue. Und… verdammt – ich werfe versehentlich das Taschenmesser rein. Mein Großvater fand’s nicht witzig und ich hatte nen ordentlichen Schock.

EIN WALDLAUF

Auf dem Weg zum Lagerplatz hatten wir am Vortag schon einen Blick auf den Weg zu unserem nächsten Ziel geworfen, dem „Tamasul Mare“. Dieser ging erneut beängstigend steil hinauf. Nach den Strapazen der letzten zwei Tage genau das, was wir brauchten…
Das schöne Wetter vom letzten Nachmittag war uns erhalten geblieben, es war regelrecht heiß. Den gestrigen Fehler wollten wir nicht zwei mal machen. Paul stopfte sich zusätzlich noch irgendwie den vollen 10-Liter-Kanister in den Rucksack, während wir anderen je sechs Liter Wasser in Plasteflaschen an unseren Rucksäcken befestigten.

Der „Waldweg“ entpuppte sich als Forstweg, der dazu benutzt wird, mit Pferden gefällte Bäume (und davon gab’s jede Menge) Richtung Tal zu ziehen. Die Steigung mit dem abgefÜllten Wasser auf dem RÜcken wurde ein weiteres „Highlight“ unserer Tour. Als nach den ersten 500 Metern immer noch keine Besserung in Sicht war, spielte ich schon mit dem Gedanken, die Kapitulation vorzuschlagen. Aber man will ja auch nicht der Erste sein… Komischerweise gewöhnt man sich selbst an solche Steigungen nach einer Weile und es geht dann fast automatisch.
Man darf sich nur nicht die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellen. Dann geht die Moral baden. Das Wort „Todesmarsch“ machte die Runde und es wurden Vergleiche zur BUND-Zeit herangezogen, die aber allesamt nicht standhalten konnten.

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Nach ca. 4 Stunden Aufstieg kommen wir mit fast vollen Flaschen (ca. 20 Liter Wasser) an eine Quelle. Alles umsonst mitgeschleppt… Auskippen können wir trotzdem noch nicht alles, da noch ein StÜck vor uns liegt.

Auf der Alm am „Tamasul Mare“ machen wir Mittag. Von hieraus ist auch der Gebirgssee zu sehen (ca. 6-7 km Luftlinie), bis zu dem wir heute noch kommen wollen. Das Problem ist nur: Unsere Karte endet hier und der einzige markierte Weg fÜhrt laut Karte in eine andere Richtung.

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Da wir den See aber schon sehen, beschließen wir quer durch den Wald in diese Richtung zu laufen.

Es geht zunächst zwischen Tannenbäumen den Berg hinab, die Vegetation wird aber immer dichter, bis wir auf einen Bach stoßen, der ins Tal, in Richtung See zu fließen scheint. Hier verabschieden wir uns endlich von unserem Wasservorrat. Schon ein komisches GefÜhl, etwas einfach wegzukippen, was man stundenlang bergauf geschleppt hat… Von nun an orientieren wir uns am Bach. Plötzlich kommt ein Schwarm Wespen aus dem Boden geschossen und eine erwischt Paul, der vorne weg läuft. Muss er wohl irgendwie auf das Nest getreten sein…

Der Boden wird teilweise regelrecht sumpfig und wir kämpfen uns durch Farne hindurch. Jurassic-Park-Atmosphäre. Wir finden einen Tierschädel und fragen uns, was denn einmal die sagen werden, die unsere Knochen finden. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden geben wir auf und steigen den Berg zur Alm wieder hinauf – oder besser dahin, wo wir die Alm vermuten. Ziemlich fertig kommen wir oben an und der „Almbauer“ kommt uns auch gleich entgegen und weist uns einen Platz zum Zelten auf seiner Wiese zu. Dankbar nehmen wir an und steigen 20:00 Uhr total geschafft ins Nest. Nach einer halben Stunde „klopft“ es aber doch noch einmal an unserem Zelt: Der „Alm-Älteste“ zeigt uns zwei Batterien. Da wir zwei unserer entbehren können, geben wir sie ihm mit einem Lächeln und schlafen mit dem GefÜhl ein, an diesem Tag auch was sinnvolles getan zu haben.