DER TAG DER EXTREME

Kurzfassung: Durst » Gipfel » Abstieg » Regenguß Â» Hitze »Tal » Bach

Am nächsten Morgen stelle ich fest, dass ich auf einem Stein geschlafen haben muss (mehr oder weniger…). Das Zähneputzen mit Regenwasser (Thomas hatte am Abend eine Regenfalle aufbaut, mit der sich ca. 0,5 L H2O sammeln ließen) konnte mich auch nicht wirklich motivieren.

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Die letzten 500 m Luftlinie zum „La Om“ (2244m) meistern wir relativ schnell, auch wenn die Wege immer schmaler und die AbgrÜnde immer tiefer erscheinen. Hier schwingen wir uns gerade um einen Felsvorsprung herum, wobei der Rucksack Richtung Schlucht zieht…

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Dieses Photo zeigt uns auf dem „La Om“ (schwer zu erkennen, aber wir halten die Flasche mit dem letzten halben Liter Wasser fest). Danach folgt der ungewisse Abstieg.

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Dieser beginnt am Stahlseil senkrecht hinab, Über Geröll, Schotter und Felsen rutschen und klettern wir Richtung Tal. Nach dem „Hinauf“ hätte ich nicht gedacht, dass noch etwas den Aufstieg wÜrde toppen können…Nach einer 3/4 h Überrascht uns ein Regenguß (im positiven Sinne) und wir hocken uns etwas abseits vom Hang zu dritt unter einen Poncho. Die anderen beiden funktioniert Paul noch schnell zu Wasserfallen um und schießt noch das Foto rechts, bevor es richtig zu schÜtten anfängt. Als es aufgehört hat zu regnen, kommt uns eine total durchnäßte Familie im T-Shirt und kurzen Hosen entgegen, die sahen noch ein wenig Überraschter aus – optimale Voraussetzungen eigentlich fÜr die Besteigung eines 2200ters… In diesen 30 min Regen sammeln wir Übrigens 5 Liter Wasser, genug fÜr den restlichen Abstieg.

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Ich denke, die nachfolgenden Bilder geben ungefähr die Schwere des Abstiegs wieder:

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An gewissen Stellen mußten wir einfach der Steile des Hanges Tribut zollen und ließen unsere Rucksäcke am Seil hinab (rechts). 20 Kilo auf dem Buckel machen sich bei nassem, rutschigen Untergrund nicht besonders gut, wenn man abwärts klettert…

Gegen Ende des felsigen Teils des Abstieges treffen wir noch auf einige kleinere Höhlen, die jedoch total zugesch***en sind… Nachdem sich die Vegetation schon wieder etwas angenehmer zeigt, mÜssen wir noch einmal einen Geröllhang rutschender Weise hinab und gelangen endgÜltig in den Wald.
Inzwischenist das Wetter schon wieder ausgesprochen schön, die Sonne scheint.
Nach kurzer Zeit erreichen wir eine an einer Lichtung gelegene SchutzhÜtte (1200m) und ich nutze die Pause, um meine Kampfstiefel gegen Halbschuhe zu tauschen *great!*.

Je tiefer wir in das Tal gelangen, desto mehr Zelte erscheinen rechts und links des Weges. Freitag abend scheint ganz Rumänien in den Wald zu fahren, um dort wild zu Campen. Nachdem wir uns in der „Cabana Plaiul Foii“ mit Fanta und Keksen gestärkt haben, finden wir tatsächlich gegen 19:00 Uhr noch einen Platz am Bach fÜr unser Zelt – zwischen all den anderen 🙁
Es gibt mal wieder Bratnudeln am Feuer.

DER BERG RUFT…

An diesem (ersten richtigen) Karpatentag brechen wir erst 10:00 Uhr auf. Es folgt der schwere Aufstieg zum „Ascutit“ (2100m). Zunächst jedoch Überqueren wir die Wiese unserer nächtlichen Ruhestätte und erreichen nach 30 Minuten die im Wald gelegene „Cabana Cumatura“. Dort fÜllen wir unsere Wasserflaschen mit insgesamt 8 Litern Wasser – zu wenig, wie sich hinterher herausstellen sollte.

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Der Weg durch den Wald setzt sich gemäßigt fort, bis wir eine Lichtung erreichen, an der unser Weg auf Felsgeröll einen Hang hinauf geht – bis dahin die steilste Stelle. Die 20 Kilo auf dem RÜcken machen sich auch bemerkbar…
Oben angekommen geht es noch einmal „hochprozentig“ durch den Wald und uns kommt eine Schafherde samt Schäfer und Hunden entgegen.

Als wir auf eine Lichtung treten, treffen uns die ersten Regentropfen und wir suchen unter einem der letzten Bäume vor der Baumgrenze Schutz. Von dort aus können wir beobachten, wie die Kilometer entfernte Wolkenfront im Tal „abregnet“ und Blitze einschlagen.

Nach einer Weile setzen wir den Weg im trockenen fort. Von nun an mÜssen wir Über grasbewachsene Felsen im Zick-Zack, eine Art Trampelpfad mit Serpentinen. Daß das Gestein durch den Regen rutschig ist, macht die Sache nicht einfacher.
Eine halbe Stunde vor Erreichen des Gipfels des „Ascutit“ machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Stahlseil, das an einer besonders steilen Stelle als Aufstiegshilfe dient. Von oben kommt eine deutsche Familie herab und wir fragen, ob es oben Wasser gäbe. Logischer Weise – nein. Bei diesen Kalkfelsen, in dieser Höhe!

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Oben angekommen machen wir eine kurze Pause und visieren das nächste Ziel an: den „La Om“ – ca. zwei Kilometer Luftlinie den Kamm entlang.

Das stellt sich aber als schwieriger heraus, als gedacht. Es gilt eine Unmenge an mittleren Felsen auf- und abzusteigen, wobei Thomas bei den Abstiegen Probleme im rechten Knie feststellt.

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Insgesamt geht wir fÜr dieses „kurze“ StÜck der Rest des Tages drauf.

In ungefähr 500 Meter Entfernung vom „La Om“ kapitulieren wir vor dem x-ten Felsen, aber auch, weil es hier in einer Senke seit langem wieder eine halbwegs ebene und von der Größe geeignete Stelle fÜr unser Dreimannzelt gibt. Während Paul und ich das Zelt aufbauen, steigt Thomas ein StÜck talwärts, um mit dem Beil KnÜppelholz fÜrs Lagerfeuer zu schlagen, welches Paul anschließend am Seil hochzieht.

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Position: Monte Zbirii, Wasservorrat: 1/2 Liter (unterwegs gefunden), Naechste Quelle: ???

Nach einem faszinierenden Sonnenuntergang versammeln wir uns ums Lagerfeuer und gönnen uns Kekse und Zwieback – jedoch ohne Wasser, das bedenklich knapp ist. Der Blick ins Tal aus 2100 Metern Höhe entschädigt dafÜr, daß das Essen nicht ganz so „rutscht“. Als wir in die Schlafsäcke kriechen, bemerken wir, daß der Boden doch nicht so eben ist.