Archiv für die '2000 Karpaten' Kategorie

JETZT ABER URLAUB!

(20.08.-27.08.2000) Wie schon erwähnt haben wir diesmal keinen Schlafwagen, sondern mÜssen am GrenzÜbergang “Ruse” irgendwie die Zeit von 3:15 bis 6:00 Uhr ÜberbrÜcken. Während wir noch in die Bahnhofshalle hinab gehen, beraten wir, um was fÜr einen Baustil es sich handeln könnte. Man einigt sich auf Neo-Klassizismus. Leider haben wir von diesem beeindruckenden Bauwerk keine Fotos, da es auch im Balkan um diese Zeit zu dunkel zum Fotografieren ist. In die Stadt gehen wir dann nach einem Blick aus dem Bahnhof doch lieber nicht.

Während wir am Bahnsteig auf einer Bank “dösen”, fährt auf dem Bahnsteig gegenÜber unser “Hin-Zug” nach Bukarest ein, der peinlich genau gefilzt wird. Als wir dann unseren Zug in die entgegengesetzte Richtung besteigen, werden wir noch zweimal durch den ganzen Zug geschickt, weil einige Waggons später abgekoppelt werden sollen (Stress!).

In Varna ist es richtig heiß. Wir mÜssen aber erst noch ein Hotel finden, bevor es an den Strand gehen kann. Nach einem Preis-Leistungs-Vergleich mehrerer Hotels, die irgendwie auf die halbe Stadt verteilt sind, entschließen wir uns fÜr das Hotel “Odessa”. In unmittelbarer nähe zum Strand, dazwischen der Park mit einem allabendlichen Festival live spielender Bands (Yeah!), ein Kino gegenÜber und den Boulevard vor der HaustÜr, auf dem sich abends die Massen drängen. FrÜhstÜck wird auch serviert – was will man mehr? TagsÜber faul am Strand liegen und abends durch die Stadt. Das hatten wir uns verdient…

Irgendwie habe ich während dieses Urlaubs doch 5 Kilo verloren. Wenn sie jemand findet:

Postkommunismus & McDonald’s

An diesem Morgen brauchen wir wieder zwei Stunden, bis wir abmarschbereit sind. Wenn ich mich recht erinnere, sind wir nie vor 10:00 Uhr aufgebrochen.

Auf dem RÜckweg zum Bahnhof Zarnesti und anschließend im Zug hängt Thomas ganz schön durch. Auf dem Bahnhof machen wir noch ein paar bettelnde Kinder mit SÜßigkeiten und einem Ein-Mark-Schein (wohl ein Monatsgehalt dort) glÜcklich. Schon wieder eine gute Tat… – in den Bergen verliert man irgendwie den Bedarf an Materiellem.

200-08-19_zug

Um 12:00 Uhr fährt endlich unser Zug nach Brasov ab. Hier kann man noch fÜr 1,- DM eine dreiviertel Stunde Zug fahren. Wichtig ist dabei, sich auf die Schattenseite des Zuges zu setzen… Trotzdem wird alles auf gemacht, was auf zu machen geht (inklusive TÜren).

In Brasov haben wir zwei Stunden Aufenthalt und verlassen den Bahnhof kurz, um uns Weintrauben zu besorgen. Die Suche nach einer Post geben wir schnell wieder auf. Der Drang in die schattige Bahnhofshalle zurÜckzukehren ist stärker. Kann auch daran gelegen haben, dass der Gestank aus den MÜllcontainern, die am Rande des Marktplatzes in der Sonne schmorten zu widerwärtig war. Überhaupt sehen die Straßen und Häuser hier nicht sehr einladend aus: alles heruntergekommen und dreckig. WÜrde man in Deutschland keinem Sozialhilfe-Empfänger zumuten…

In Bukarest sieht es wenigstens rund um den Bahnhof nicht ganz so schlimm aus. Wobei – wenn man weiter in die Stadt läuft (was wir aber um 21:00 Uhr nicht noch einmal vorhatten) bekommt man den Eindruck, in manchen Straßen mehr streuende Hunde, als Menschen zu sehen. Wie die Fußwege aussehen kann man sich denken.
Hin und wieder hebt man den Kopf und wirft einen Blick in eine der Seitenstraßen im Zentrum, die man Überqueren will. Aber Autos kommen selten aus ihnen. Vielmehr stehen in diesen löchrigen, zumeist Pflasterstraßen geplÜnderte Wracks herum. Nein – brennende Autoreifen und Steine werfende Jugendliche haben wir nicht gesehen. Auch keine nackten Straßenkinder.

Die wenigen Bettelnden, die sich noch vor den Bahnhof trauen, werden nie aufdringlich. Anders dagegen unsere “Devisen-Freunde”. Die verfolgen uns förmlich. Mit unseren riesigen Rucksäcken sind wir auch im BahnhofsgewÜhl ein gutes Ziel.

200-08-19_bahnhof-bukarest

Gegen “Wegelagerei” im Nordbahnhof versucht man vorzugehen, indem man sich am Eingang die Fahrkarten zeigen läßt. Wer keine hat, muss sich eine Eintrittskarte fÜr umgerechnet 0,20 DM kaufen (kann aber keinen Devisenhändler vertreiben). Außerdem wimmelt es da nur so vor Polizei. Broker in Rumänien zu sein, ist stressiger, als an der Wall Street.

Da wir noch drei Stunden Zeit haben, bis unser Zug nach Varna geht, testen wir mal McDonalds. Es ist eigentlich kein Unterschied zum Heimischen festzustellen – außer: in den Toiletten gibt es nur Waschbecken. Bleibt uns also nichts anderes Übrig, als die Bahnhofstoilette aufzusuchen. Nachdem wir gelöhnt haben, geht es eine Treppe hinab und Sauna-Atmosphäre macht sich breit. Was die Luftfeuchtigkeit und Themperatur betrifft – nicht die Sauberkeit.
Links ein Gang, rechts ein Gang – keine Beschilderung. Wir entscheiden uns fÜr den rechten. Ich mach es kurz: ToilettentÜren, die sich nicht abschließen lassen, ein Loch im Boden mit zwei Steinen zum Draufstellen – und der Geruch… Dazu tropft es in meiner Nachbarkabine noch von der Decke – hab ich mir sagen lassen…

Nach dem dritten Nachfragen und zwei Stunden Aufenthalt eröffnet uns die Dame am Schalter, dass es doch keinen Zug nach Varna mehr gibt, der durchfährt. Wir mÜßten wohl ca. drei Stunden Aufenthalt ab 3:00 Uhr frÜh einplanen. Auf den Frust nehmen wir noch einmal ein McDonald’s-MenÜ zu uns. Unser Zug fährt um 0:00 Uhr los.

ZURÜCK ZUM ANFANG

Als ich am Morgen aus dem Zelt komme, merke ich deutlich die Nachwirkungen des letzten Tages. Ein Grund mehr, sich erst einmal in die Sonne zu legen.

200-08-18_alm_morgens 200-08-18_alm_abwaerts

Der RÜckmarsch ins Tal zur Cabana erfolgt fast im Laufschritt. Während wir fÜr “hinauf” noch vier Sunden brauchten, sind wir jetzt in weniger als der Hälfte der Zeit wieder unten. Nach einer Pause am Bach geht es weiter bis zur Cabana, an der wir erst einmal eine 2-Liter-Fanta leeren.

Auf einer staubigen Schotterstraße setzen wir unseren Weg zu unserem Ausgangspunkt Zarnesti fort. Nach ungefähr 6-7km hält ein Jeep an und nimmt uns die restlichen Kilometer bis in die Stadt (?) mit.

200-08-18_schotterstrasse

Am Kiosk schließt sich bei Eis und Cola der Kreis. Nach diesen Freuden der Zivilisation laufen wir wie am ersten Tag in Zarnesti wieder am Bach entlang Richtung Wald, wo wir uns dann auf einer Wiese niederlassen und unser Zelt aufbauen.
Nachdem wir unsere Tomatensuppe mit Weißbrot verdrÜckt haben geht es 22:00 Uhr in die Federn. Um 3:30 Uhr werde ich wach, als Thomas aus dem Zelt rennt, um sich zu Übergeben. So bin ich wenigstens der Erste, der ihm zum Geburtstag gratuliert ;-)
5:00 Uhr habe ich schon wieder Gelegenheit dazu :-(

EIN WALDLAUF

Auf dem Weg zum Lagerplatz hatten wir am Vortag schon einen Blick auf den Weg zu unserem nächsten Ziel geworfen, dem “Tamasul Mare”. Dieser ging erneut beängstigend steil hinauf. Nach den Strapazen der letzten zwei Tage genau das, was wir brauchten…
Das schöne Wetter vom letzten Nachmittag war uns erhalten geblieben, es war regelrecht heiß. Den gestrigen Fehler wollten wir nicht zwei mal machen. Paul stopfte sich zusätzlich noch irgendwie den vollen 10-Liter-Kanister in den Rucksack, während wir anderen je sechs Liter Wasser in Plasteflaschen an unseren Rucksäcken befestigten.

Der “Waldweg” entpuppte sich als Forstweg, der dazu benutzt wird, mit Pferden gefällte Bäume (und davon gab’s jede Menge) Richtung Tal zu ziehen. Die Steigung mit dem abgefÜllten Wasser auf dem RÜcken wurde ein weiteres “Highlight” unserer Tour. Als nach den ersten 500 Metern immer noch keine Besserung in Sicht war, spielte ich schon mit dem Gedanken, die Kapitulation vorzuschlagen. Aber man will ja auch nicht der Erste sein… Komischerweise gewöhnt man sich selbst an solche Steigungen nach einer Weile und es geht dann fast automatisch.
Man darf sich nur nicht die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellen. Dann geht die Moral baden. Das Wort “Todesmarsch” machte die Runde und es wurden Vergleiche zur BUND-Zeit herangezogen, die aber allesamt nicht standhalten konnten.

200-08-17_blick_auf_gebirge

Nach ca. 4 Stunden Aufstieg kommen wir mit fast vollen Flaschen (ca. 20 Liter Wasser) an eine Quelle. Alles umsonst mitgeschleppt… Auskippen können wir trotzdem noch nicht alles, da noch ein StÜck vor uns liegt.

Auf der Alm am “Tamasul Mare” machen wir Mittag. Von hieraus ist auch der Gebirgssee zu sehen (ca. 6-7 km Luftlinie), bis zu dem wir heute noch kommen wollen. Das Problem ist nur: Unsere Karte endet hier und der einzige markierte Weg fÜhrt laut Karte in eine andere Richtung.

200-08-17_alm 200-08-17_alm-blick

Da wir den See aber schon sehen, beschließen wir quer durch den Wald in diese Richtung zu laufen.

Es geht zunächst zwischen Tannenbäumen den Berg hinab, die Vegetation wird aber immer dichter, bis wir auf einen Bach stoßen, der ins Tal, in Richtung See zu fließen scheint. Hier verabschieden wir uns endlich von unserem Wasservorrat. Schon ein komisches GefÜhl, etwas einfach wegzukippen, was man stundenlang bergauf geschleppt hat… Von nun an orientieren wir uns am Bach. Plötzlich kommt ein Schwarm Wespen aus dem Boden geschossen und eine erwischt Paul, der vorne weg läuft. Muss er wohl irgendwie auf das Nest getreten sein…

Der Boden wird teilweise regelrecht sumpfig und wir kämpfen uns durch Farne hindurch. Jurassic-Park-Atmosphäre. Wir finden einen Tierschädel und fragen uns, was denn einmal die sagen werden, die unsere Knochen finden. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden geben wir auf und steigen den Berg zur Alm wieder hinauf – oder besser dahin, wo wir die Alm vermuten. Ziemlich fertig kommen wir oben an und der “Almbauer” kommt uns auch gleich entgegen und weist uns einen Platz zum Zelten auf seiner Wiese zu. Dankbar nehmen wir an und steigen 20:00 Uhr total geschafft ins Nest. Nach einer halben Stunde “klopft” es aber doch noch einmal an unserem Zelt: Der “Alm-Älteste” zeigt uns zwei Batterien. Da wir zwei unserer entbehren können, geben wir sie ihm mit einem Lächeln und schlafen mit dem GefÜhl ein, an diesem Tag auch was sinnvolles getan zu haben.